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Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Die Bürgerbeteiligung
im Museum

Die Antwort auf die Frage: Wer kennt diese Buben?

Dieses Bild wurde mithilfe des Passauer Stadtarchivs identifiziert als Fotografie des späteren Mode- und Lifestyle-Fotografen Tony Vaccaro, der die Buben mit den Baseballschlägern im Juni 1945 in Pocking aufgenommen hat. Tony Vaccaro war 1944 mit der 83
Dieses Bild wurde mithilfe des Passauer Stadtarchivs identifiziert als Fotografie des späteren Mode- und Lifestyle-Fotografen Tony Vaccaro, der die Buben mit den Baseballschlägern im Juni 1945 in Pocking aufgenommen hat. Tony Vaccaro war 1944 mit der 83. Infanteriedivision der US-Armee nach Deutschland gekommen und hier mit seiner Kamera unterwegs. © akg-images / Tony Vaccaro

Aus den Hinterlassenschaften der Passauer Nibelungenhalle stammt eine Garnitur alter Baseballschläger, die das Haus der Bayerischen Geschichte aufbewahrt. Was hatten diese merkwürdigen Objekte in der Nibelungenhalle zu suchen? Die Aufklärung gelang mithilfe des Passauer Stadtarchivs: Die US-Soldaten, die 1945 Passau befreiten, hatten sich der Nibelungenhalle als Baseballstadion bedient. Auch wenn sie den Einheimischen das traditionsreiche amerikanische Ballspiel nicht wirklich nahebringen konnten, erfreute sich dieser fremdartige Sport bei der Jugend offenbar einiger Beliebtheit, wie eine von Tony Vaccaro, dem späteren Mode- und Lifestyle-Fotografen, 1945 in Pocking aufgenommene Fotografie beweist, die drei Buben mit Baseballschlägern zeigt. Vorne rechts ist der neunjährige Heinz Huber zu sehen, heute als pensionierter Professor für Elektrotechnik in Regensburg lebend, der sich nach einem Zeitungsaufruf beim Haus der Bayerischen Geschichte gemeldet hat. Er erinnert sich an die Nachkriegszeit: „Kaum waren die Amerikaner da, haben sie auch schon Baseball gespielt und auf der Stadlerwiese ein richtiges Feld eingezeichnet. Wir Buben durften mitmachen und hatten einen Riesenspaß.“ Und was mindestens ebenso attraktiv war: Die Soldaten schenkten den Kindern Schokolade, Butterfinger, Kaugummi und nahmen sie auch in die Kantine zum Mittagessen mit - ein großes Privileg in der 1000-Kaloriengesellschaft der Nachkriegszeit. Heinz Huber blieb übrigens nicht beim Baseball, sondern verfolgte eine andere Sportlerkarriere: Er wurde Bayerischer Jugendmeister im Weitsprung und stand in der Bezirksliga Niederbayern im Tor des SV Pocking. Ein Interview mit Heinz Huber finden Sie auf der Seite von BR Bayern 1/Niederbayern und Oberpfalz. In einem Bericht des Bayerischen Fernsehens über unsere Sammelaktionen können Sie Heinz Huber und seinen Bruder Horst sehen, die sich noch einmal auf den Baseballplatz ihrer Jugendzeit begeben haben.

Unser Aufruf hat ein weiteres Ergebnis erbracht: Ein Zeitzeuge erinnerte sich, dass man die Amerikaner am Rand des Baseballspiels belauerte, um in den Besitz eines Baseballs zu kommen. Nicht etwa, um Spielzeug zu erhalten, sondern um an das Innere der Bälle zu gelangen: Wolle, die man neu verspann und zum Stricken verwenden konnte.
Wir freuen uns über das Interesse, das diese kleine und doch so umfassende Bildgeschichte hervorgerufen hat und hoffen weiterhin auf Ihre Beteiligung. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf: museum(at)hdbg.bayern.de