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Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Die Bürgerbeteiligung
im Museum

Erinnerungsstücke aus der napoleonischen Zeit

Die Ziviltrauung von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais mit Auguste Amalie von Bayern (© bpk / RMN / Gérard Blot / Jean Schormans))
Die Ziviltrauung von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais mit Auguste Amalie von Bayern am 13. Januar 1806 in der Münchner Residenz. (Gemälde von François Guillaume Ménageot, 1808, Versailles, Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon;
© bpk / RMN / Gérard Blot / Jean Schormans)

Bayern verdankt seine Erhebung zum Königtum den großen Umwälzungen der napoleonischen Zeit. Es war Napoleon, der 1806 das Kurfürstentum zum Königreich erhob. Und wie in dieser Zeit üblich waren es nicht zuletzt dynastische Verbindungen, die politische Entscheidungen verfestigen und sichern sollten. So verheiratete Napoleon seinen Adoptivsohn Eugène de Beauharnais mit der bayerischen Königstochter Amalie und verband sich damit mit einem der ältesten Adelsgeschlechter Europas.

Napoleon gab 1808 bei dem Maler François Guillaume Ménageot ein heute in Schloss Versailles befindliches Gemälde in Auftrag, das die Ziviltrauung zeigt, die am 13. Januar 1806, also nur zwei Wochen nach der Erhebung Bayerns zum Königreich, in der Grünen Galerie der Münchner Residenz stattfand. Das Gemälde sollte die Szenerie möglichst authentisch wiedergeben. Dem Künstler standen dafür detaillierte Angaben zu den Personen und ihrer Kleidung zur Verfügung, die ihm sein Malerkollege Johann Georg Dillis auf Veranlassung des Königs nach Paris gesandt hatte. Das Gemälde ist also ein richtiges „who is who“ – die Auflösung finden Sie hier.

Aus heutiger Sicht besonders interessant ist, dass neben den hohen Herrschaften im Bildhintergrund, links neben Minister Montgelas, vier „Männer aus dem Volk“ in bayerischer Tracht dargestellt sind. Im Stadtarchiv Aichach hat sich ein Brief erhalten, in dem einer der Geladenen, der Brauer, Wirt und Bürgermeister Lorenz Aloys Gerhauser aus Aichach, über die ehrenvolle Einladung am Hofe berichtet. Durch ihn sind auch die weiteren Teilnehmer überliefert: Es waren dies der Landrichter v. Bauer, der „Blasibauer“ und zwei namentlich nicht genannte Bauern aus dem nahe gelegenen Oberwittelsbach. Gerhauser selbst hatte unter den Verhältnissen der napoleonischen Zeit stark zu leiden: Er musste im Lauf der Kriege 1700 Offiziere und 11800 Soldaten bei sich einquartieren und 11200 Pferde versorgen. Danach war er bankrott. Im Stadtmuseum Aichach ist übrigens die über 15 Meter lange Einquartierungsliste ausgestellt. 

Bayern verdankt Napoleon die Krone und erhebliche territoriale Erweiterungen, der moderne bayerische Staat gründet auf den Reformen der napoleonischen Zeit. Für die Bayern selbst bedeutete Napoleon Einquartierungen, Steuern und Feldzüge mit vielen Tausend Toten. Die Zeit war dramatisch und prägte die Menschen. Bis heute haben sich in den Familien Erinnerungsstücke erhalten, beispielsweise an die bayerischen Soldaten, die mit dem Kaiser 1812/13 nach Russland zogen. Das Haus der Bayerischen Geschichte sucht solche Erinnerungsstücke für die Bayerische Landesausstellung „Napoleon in Bayern“, die 2015 in Ingolstadt gezeigt wird, und für das Museum der Bayerischen Geschichte, das 2018 in Regensburg seine Tore öffnet. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf:

Haus der Bayerischen Geschichte
Stichwort Museum
86150 Augsburg, Zeuggasse 7
Tel. 0821 3295-130
E-Mail: museum(at)hdbg.bayern.de