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Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Die Menschen
im Museum

Anton Auberger (geb. 1925)

Vom Bergwerk ans Fließband

Als die Penzberger Grube 1966 schloss, endete für Anton Auberger mehr als nur ein herkömmliches Arbeitsverhältnis. Bereits sein Urgroßvater, sein Großvater und sein Vater hatten ihren Lebensunterhalt im Bergwerk verdient. Anton Auberger war seit 1948 dabei. 1966 wechselte er zu MAN – ein Glücksfall, da er nicht arbeitslos wurde, aber auch eine große Umstellung von der Arbeit im Stollen zur Akkordarbeit am Fließband.

Anton Auberger, geboren am 12. September 1925 in Hainz, wuchs in bescheidenen Verhältnissen in einer Penzberger Bergwerkswohnung auf. Am Anfang bewohnte die siebenköpfige Familie nur zwei Zimmer, eine einzige Glühlampe gab spärliches Licht. Zum Waschen musste man außer Haus. 1938 konnten die Aubergers dann in ein selbst gebautes Häuschen umziehen. Nun gab es einen Stromanschluss in allen Räumen und einen Wasseranschluss im Haus.

Nach der Volksschule und einer abgebrochenen Lehre als Mechaniker leistete Auberger im Zweiten Weltkrieg Dienst auf einem Militärschiff in der Ostsee. Nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft schlug er sich im Herbst 1945 bis nach Penzberg durch. Er fand Arbeit bei der örtlichen Molkerei, bis er im Januar 1948 die Familientradition fortführte und im Bergwerk zu arbeiten begann. Anton Auberger, der 1947 geheiratet hatte, kämpfte sich nach oben. Er lernte die schweißtreibende Arbeit von der Pike auf, machte Überstunden und verdiente Prämien – das musste er auch, schließlich hatte er Frau und zwei Kinder zu versorgen, eine neue Wohnung eingerichtet und sich dafür verschuldet. Ab 1952 engagierte er sich als Betriebsrat. Zehn Jahre später wurde er als Gewerkschaftsvertreter freigestellt.

Die Penzberger Grube wurde modernisiert, in den 1950er-Jahren war die Kohle als „schwarzes Gold“ begehrter Energielieferant. Krankenhäuser, Molkereien, Brauereien – alle brauchten sie Kohle, bis das Erdöl die Kohle zu verdrängen begann. Nun zeichnete sich der Niedergang der Kohleförderung in Penzberg ab, 1966 war endgültig Schluss. Die meisten Bergleute kamen bei MAN unter, die ein Werk zur Busproduktion in Penzberg errichtet hatte. Am Anfang lief es gut, weil die Bergarbeiter es gewohnt waren, zuverlässig und selbstständig zu arbeiten. Doch als 1979 die Umstellung auf Einzelakkordarbeit kam, konnten besonders die Älteren mit dem hohen Maschinentempo nicht mehr mithalten. Anton Auberger blieb und arbeitete in allen Fertigungsbereichen, auch als Springer. Er wurde wiederum Betriebsrat, doch die Gewerkschaftsarbeit war hier deutlich mühsamer als im Bergwerk – hatten sie in der Grube noch einen Organisationsgrad von 98 Prozent, waren es bei MAN nur 28 Prozent.

In der Zwischenzeit hatte sich Penzberg verändert. Neue Firmen siedelten sich an und zogen Arbeitnehmer aus dem Umland an. Die Altstadt wurde saniert, der Lebensstandard stieg. Dennoch sehnte sich Anton Auberger nach seiner alten Arbeit im Bergwerk zurück. Obwohl sie gefährlich war, Kollegen bei schweren Unfällen den Arm verloren, andere sogar getötet wurden, hätte er sich sofort wieder für sie entschieden: Er schätzte den rauen, aber herzlichen Umgangston der Kumpel. Die soziale Absicherung war erstklassig. Untertage wusste jeder, was er zu tun hatte. Auch wenn die Arbeit anstrengend war, es fand sich immer einmal Zeit, um bei einer Prise Schnupftabak zu verschnaufen. Im Einzelakkord am Fließband war daran nicht mehr zu denken.

Quellen/Literatur:
Zeitzeugeninterview Haus der Bayerischen Geschichte (www.hdbg.eu/zeitzeugen)