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Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Die Themen
des Museums

Generation 1975/2000: Wendejahre

Nach 1945 wird in Bayern in zunehmendem Maß eine moderne Identitätspolitik betrieben. Den Hintergrund bilden die Integration der Vertriebenen und die wachsende wirtschaftliche Stärke bei gleichzeitigem Strukturwandel. Der Begriff des Freistaats wird neu konnotiert und überwiegend positiv besetzt. Die Strategie der CSU ─ ihr Partei-Logo wird in den 1970er-jahren entsprechend ausgestaltet ─ sich in besonderem Maß mit Bayern zu verbinden, ist erfolgreich. Dies führt zu einer Gegenbewegung des „anderen Bayern“, die ebenfalls identitätsstiftende Wirkung entfaltet. Der Protest gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf führt Menschen aller Bildungsschichten und sozialer Milieus zusammen. Im Oberpfälzer Wald protestieren sie gemeinsam gegen die Anlage, die sie als Zerstörung ihrer Heimat wahrnehmen. Bands wie die Toten Hosen oder die Biermösl Blosn geben sich beim WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld die Ehre.
Die Grenzlage Bayerns zur DDR und der ČSSR bestimmt den Lebensalltag vor allem in den „Zonenrandgebieten“. Mödlareuth, das durch eine Mauer geteilte Dorf, wird zum „bayerischen Berlin“. Mit der Wiedervereinigung und dem Fall des Eisernen Vorhangs ändert sich die Situation grundlegend. Jetzt kann die zentrale europäische Lage Bayerns wieder in alle Richtungen wirken: Bayern wird zum „Herz Europas“.
Ein bayerisches Charakteristikum mit großer medialer Beachtung ist der Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg. Er steht in der Tradition der Münchner Volkssänger; so war Roider Jackl einer der ersten, der in den 1950er-Jahren die Politiker „derbleckte“. Zur erfolgreichsten Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks entwickelt sich „Fastnacht in Franken“ aus Veitshöchheim.
Nach der Ölkrise wächst die bayerische Wirtschaft seit 1975 schneller als die Wirtschaft im Bundesdurchschnitt. Bayern gehört heute zu den wirtschaftlich stärksten Regionen in Europa. Besondere Bedeutung kommem dem Maschinenbau, der Automobil-, Luft-, Raumfahrt- und Elektroindustrie zu. Internationale Aushängeschilder der „Marke Bayern“ sind heute neben den Stereotypen Alpen, Bier, Tracht und Oktoberfest insbesondere BMW, Audi und Hightech-Industrie sowie der FC Bayern.